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London
London, Stadt im Südosten, Hauptstadt von Großbritannien, westlich der Themsemündung gelegen. London geht auf eine Siedlung aus der Römerzeit zurück. Die Römer nutzten sie als Hafen für die Verschiffung von Agrarprodukten und Mineralien. Die Siedlung entwickelte sich nach und nach zur wohlhabenden Hauptstadt eines blühenden Industrie- und Agrarlandes. Durch die Expansion des britischen Empires im 19. Jahrhundert nahm die Bedeutung Londons erheblich zu; die Auflösung des Empires zog nach dem 2. Weltkrieg eine Verringerung der Bedeutung nach sich. London ist aber nach wie vor ein florierendes Kultur- und Finanzzentrum. Die Bezeichnung City of London oder City wird nur auf ein kleines Territorium (2,7 Quadratkilometer) angewandt, das dem römerzeitlichen Londinium entspricht. Heute gehört dieses Gebiet zum Geschäfts- und Finanzviertel der Metropole. Die City of London und 32 Stadtbezirke bilden das Ballungsgebiet Groß-London, das sich über eine Fläche von 1 580 Quadratkilometern erstreckt.
London ist ein Verkehrszentrum von überragender Bedeutung; in der Umgebung der Stadt
gibt es fünf Flughäfen. Auf dem Airport London-Heathrow werden mehr Passagiere als auf irgendeinem anderen Flughafen in Europa abgefertigt. Auch London-Gatwick zählt zu den bedeutendsten Flughäfen des Kontinents; weitere Airports sind London-Stansted, London-Luton und London City.
Über die Jahrhunderte hinweg wurden die Stadtviertel Londons um die Hafenanlagen herum angelegt, die sich entlang der Themse über eine Gesamtlänge von rund 40 Kilometern erstrecken. Über den früher wirtschaftlich bedeutenden Hafen wird nur noch ein geringer Teil des britischen Außenhandels abgewickelt. Herausragender Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor – insbesondere die Bereiche Finanzdienstleistungen und Tourismus. Jährlich besuchen rund 20 Millionen Touristen die Stadt.
Wirtschaft: Die Internationale Börse des Vereinigten Königreiches und der Republik Irland befindet sich in der City of London. 1986 ermöglichte die Aufhebung der Regulierungen den Einstieg in die moderne Welt des elektronischen Finanzwesens. Dieses Ereignis wurde unter dem Begriff Big Bang bekannt.
Ein anderer Dienstleistungssektor sind die Versicherungen, denen London seit über 300 Jahren seinen Wohlstand verdankt. Die bekannteste Institution ist Lloyd’s, nicht als Versicherungsgesellschaft im eigentlichen Sinn, sondern als eine Börse für Versicherungsverträge. Es ist eine Aktiengesellschaft von Versicherern, die beinahe jede Art von Versicherungen auf dem internationalen Markt übernimmt.
Die produzierenden Industriezweige haben in London bereits seit vielen Jahren an Bedeutung verloren. Heute sind lediglich noch 10 Prozent der Arbeitskräfte in diesem Sektor beschäftigt. Die besten Umsatzzahlen schreibt noch die Druck- und Verlagsindustrie. Sie stellt ein Viertel der oben genannten Arbeitsplätze und verzeichnet ein Drittel des gesamten Produktionsausstoßes Londons. Der Wirtschaftsbereich der Hightechindustrie, der hier auf pharmazeutische und elektronische Erzeugnisse spezialisiert ist, arbeitet erfolgreich mit
hohen Umsätzen. Viele der Industriebetriebe, die sich in der Regel in den äußeren Stadtbezirken Londons befinden, tendieren dazu, sich völlig aus dem Einzugsbereich der Hauptstadt zurückzuziehen. Im Bereich der Leichtindustrie sind Bekleidungswerke und Brauereien vertreten.
Auch das Bildungswesen liefert mit seinen Universitäten und akademischen Instituten einen beachtlichen Beitrag zur Wirtschaft Londons. In zunehmendem Maß gewinnt der kulturelle Bereich und Unterhaltungssektor an Bedeutung, in dem heute bereits 6 Prozent der Arbeitsplätze der Hauptstadt bereitgestellt werden.
Stadtbild: London erstreckt sich etwa 80 Kilometer entlang des Themseufers. Der Hauptteil der Stadt liegt nördlich des Flusses. Die ursprüngliche Siedlung, von der der Name London abgeleitet wurde, war das römische Militärlager Londinium, das im ersten Jahrhundert n. Chr. gegründet wurde. Die City of London befindet sich an der Stelle, an der dieses Lager errichtet worden war. Am westlichen Ende der Stadt steht die Saint Paul’s Cathedral. Der Tower of London, eine normannische Festung, die von Wilhelm dem Eroberer zur Verteidigung seiner neuen Ländereien Ende des 11. Jahrhunderts angelegt wurde, befindet sich am nördlichen Ufer der Themse. Die Anlage wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die nahe gelegene Tower Bridge zählt zu den Wahrzeichen der Stadt. Westlich davon verläuft die London Bridge; sie wurde an Stelle der einzigen Brücke errichtet, die bis Ende des 18. Jahrhunderts die Themse in London überquerte. Berühmtester Turm der Stadt ist der zum Parlamentsgebäude gehörende, 98 Meter hohe Saint Stephen’s Tower (Clock Tower) mit seiner 13,5 Tonnen schweren Glocke, dem weltberühmten Big Ben.
Der Osten und Nordosten der Stadt ist hauptsächlich von den Arbeiterwohnvierteln, dem so genannten East End, geprägt. Dies ist die Heimat der Immigranten, die im Zuge der Einwanderungswellen aus Irland, vom europäischen Kontinent und aus den ehemaligen Gebieten des britischen Empires hierherkamen. Im armen, lebhaften und industriell geprägten East End gibt es auch heute noch viele gutgehende kleine Geschäfte. Am Nordufer der Themse findet man die Docklands, zu denen auch Canary Wharf gehört. Im Westen bzw. Nordwesten der City liegen die altertümlichen Inns of Court, der Gerichtsbezirk, in dem sich viele Anwälte und Rechtsberatungsfirmen niedergelassen haben. Im Westen der City befindet sich auch die Fleet Street, früher einmal die Heimat der britischen Landespresseagentur, die heute in andere Teile der Hauptstadt umgezogen ist. Weiterhin kann man hier im Nordwesten Bloomsbury besuchen, einen Ort, den eine berühmte Gruppe literarischer Intellektueller aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts dank seiner Nähe zur Londoner Universität und dem British Museum zu ihren Lieblingsplatz auserkoren hatte.
Das West End ist ein ausgedehntes Gebiet, das sich vom Zentrum Londons bis in den
Westen der Stadt erstreckt und in dem sich die bekanntesten Theater und Einkaufsstraßen befinden. Im Süden liegt der Verwaltungsbezirk Londons, der Regierungsbezirk mit der Whitehall, dem Parlamentssitz (offizieller Name: Palace of Westminster), der Saint James’s Palace (Wohnsitz des Prince of Wales) sowie der Buckingham-Palast, die Residenz der Königin in London. Der Palast und die Abtei von Westminster sowie die Margaretenkirche
sind seit 1987 Weltkulturerbestätten der UNESCO. Im Westen liegt auch der Hyde Park, die größte Parkanlage Londons, der in westlicher Richtung bis in die Stadtbezirke Knightsbridge und Kensington reicht, beides äußerst elegante Wohnviertel mit vielen Sehenswürdigkeiten, darunter das Warenhaus von Harrods, die Royal Albert Hall und die South-Kensington-Museen.
Direkt im Süden von West End, am anderen Flussufer, befindet sich der Lambeth-Palast des Erzbischofs von Canterbury und in dessen Nähe der South Bank Arts Complex, zu dem das National Theatre, die Royal Festival Hall und die Hayward-Galerie gehören. Gleich dahinter liegen weitere Wohngebiete, die eng mit der Geschichte verknüpft sind, wie z. B. Greenwich, Dulwich, Clapham und Wimbledon. Letzteres ist eine der ältesten Siedlungen Londons.
Großes Aufsehen erregte die Eröffnung des Millennium-Riesenrades im Januar 2001. Die 137 Meter hohe Anlage sollte bereits zum Jahreswechsel fertig gestellt werden, aufgrund von Sicherheitsmängeln ging das 35 Millionen Pfund Sterling teure Riesenrad aber erst einige Wochen später in Betrieb.
Kultur: Das British Museum in Bloomsbury ist eines der größten und bekanntesten Museen weltweit. Es beherbergt sechs Millionen Ausstellungsstücke sowie die britische Staatsbibliothek. Die Sammlungen reichen von ägyptischen und klassischen Antiquitäten
über Schätze aus dem Sachsenreich bis hin zu zeitgenössischen Artefakten.
Das Victoria and Albert Museum in South Kensington verfügt über eine Sammlung von Kunstschätzen aus aller Welt, darunter kostbare Porzellan- und Glasgefäße, Skulpturen, Kleidung und Kostüme, Möbelstücke und Musikinstrumente. In der Nähe befinden sich die Museen für Naturgeschichte, Wissenschaft und Geologie. Auf der anderen Seite von London, direkt in der City, gibt es noch das Museum of London, dessen Ausstellungen die Entwicklung der Hauptstadt von ihren Anfängen bis zum heutigen Tag zeigt.
Die National-Galerie am Trafalgar Square umfasst eine der vielfältigsten Gemälde-Sammlungen der Welt, die von den frühen italienischen Anfängen bis hin zu Werken von
Seurat und Cézanne reicht. Gleich nebenan ist die National-Portrait-Galerie, in der mehr als 9 000 Porträts ausgestellt sind. Die Tate Gallery auf der Uferstraße zwischen Chelsea und Westminster wurde 1897 eröffnet und umfasst die größte Sammlung britischer Gemälde vom 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Im Juni 2000 wurde gegenüber der Saint Paul’s Cathedral die Tate Modern, ein Ableger der Tate Gallery, eröffnet.
Zu den vielen Zentren des professionellen Theaterschauspiels gehören das National Theatre der National Theatre Company in South Bank und das Barbican Arts Centre der Royal Shakespeare Company. Das Royal Court Theatre, eine der traditionsreichsten Bühnen der britischen Hauptstadt, wurde im Februar 2000 nach vier Jahren Umbauzeit wieder eröffnet.
Die beiden berühmtesten Opernhäuser sind das Royal Opera House in Covent Garden und das Coliseum, in dem die English National Opera Company untergebracht ist. Konzerthäuser sind die Royal Festival Hall, die Barbican und die Saint John’s Church, Westminster. Der beliebteste Konzertsaal liegt in der Wigmore Hall hinter der Oxford Street. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurden Teile des 1988 im heutigen Finanzviertel entdeckten römischen Amphitheaters im Juni 2002 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Quellennachweis:
"London," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2008
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